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Oberöwisheim

 ein Dorf im Kraichgau

Tal1

Das Tal des kleinen Kraichbachs

Bevor der große Kraichbach auf der Gemarkung von Ubstadt das Hügelland des Kraichgaus  verläßt, fließt auf der Gemarkung von Oberöwisheim als letzter rechtsseitiger Zufluß der kleine Kraichbach bei der Appenmühle seinem großen Bruder zu.  Das Tal des kleinen Kraichbachs beginnt genau dort wo sich zu meiner Kindheit auf Odenheimer Gemarkung im  Gewann Rechtenbach die Quelle des Rechtenbachs, dem heutigen kleinen Kraichbach, befand. Die Urquelle des Bachs befand sich jedoch in früherer Zeit oberhalb des Neuenbürger Silberbergs im Staatswald an der Wasserscheide zum Neuenbürger Tal. Der kleine Kraichbach hatte zu dieser Zeit ein Länge von ca. 6,5 km. Heutzutage fließt dem Bach von Odenheimer Markung nur noch Oberflächenwasser bei heftigem Regen zu. Ab der Germarkungsgrenze beginnt nach, fruchtbarem Ackerland auf Odenheimer Seite, der Erlichwald auf Oberöwisheimer Seite und von dort ab wieder ein recht ordentlicher Wasserlauf der von einigen Quellen vom linksseitigen Kanonenbuckel gespeisst wird. Der Bachlauf hat von hier nur noch eine Länge von knapp 5 km und bis zur Mündung ein Gefälle von 52 Höhenmeter. Der Erlich- oder Bruchwald der dort beginnt ist ein einzigartiges Quellgebiet. Bevor das Tal in früherer Zeit urbar gemacht und besiedelt wurde zog sich dieser sumpfige Bruchwald im Talgrund mehr oder weniger breit bis an die Lösshänge. In den Bruchwäldern hatte der Bach noch kein eigenes Bett. Dort stand das Wasser kniehoch und nur an wenigen Stellen im Tal, so im Bereich Gänswasen - Steinacker bis zum Brückle-Dreschhalle, hatte der Bach schon ein eigenes Bett, denn dort kommen sich die Lösshänge beider Talseiten recht nahe. Nach dieser Talenge begann wieder der Bruchwald und dieser zog sich in ganzer Länge bis zum Ende des Tales, bis zum Eintritt in das Tal des großen Kraichbachs hin. In dem sogenannten Bruchwald oder auch Erlichwald genannt, wuchs ausschließlich die schwarze Erle wie im obigen Bild gezeigt. Aus beiderseitigen Quell-horizonten fließt dem Tal aus ca. 25-30  großen und kleinen Quellen das Wasser zu. Vor der Zeit der Besiedelung des Tales lag die Siedlung der Kelten hoch nahe der Jaichhohle und dem Gewann “ Auf der Ebene” nahe dem heutigen Sport und Schulgelände. Diese Stelle des Ortes hatte den Nachteil, dass man weit weg vom kostbaren Wasser war. Also versuchte man näher ans Wasser zu kommen. So verlegte der Dörfälteste das Dorf in Verlängerung des Kirchtales in die Nähe des Herrenbrunnens. Dies ist eine ergiebige Quelle mit sehr guter Wasserqualität, die am Ende des Kirchtales aus einer Lösswand entspringt, und in meiner Kindheit das halbe Oberdorf mit Frischwasser versorgte. Die vollständige Besiedelung erfolgte erst nachdem die Römer im 1. Jahrhundert n. Chr. das Tal trocken legten, indem sie dem Bach einen Lauf gaben, kanalisierten und ein Tiefbett gruben. So konnte das Wasser schneller ablaufen, das Bruch wurde trocken, der Erlenwald abgeholzt und gerodet. Aber bevor dies alles geschah hatte  die keltische Sippe auf der genüberliegenden Talseite im Gewann “Stahl” einen Opferplatz für ihre Götter. Diesen Platz übernahmen die nachfol-genden Alemannen und errichteten dort einen Gauversammlungsort. In anderen alemannischen Siedlungen  hießen diese Versammlungsorte “ Im Stahl oder Stahlbühel” Dort versammelten sich alle freien Männer des Gaues wo sie Beratungen abhielten über die Belange des Gaues. Als Gau wurde zu dieser Zeit das Gebiet bezeichnet, das die jeweilige Alemannensippe bewohnte oder als ihr eigenes Land beanspruchte. Dies war bei uns die alte Urmark des späteren Öwisheimer Adels. Diese Urmark Öwisheim beinhaltete damals die heutigen Gemarkungen von Ober- und Unteröwisheim sowie die von Neuenbürg. Dies alles geschah in der Zeit nachdem die Alemannen die Römer um 370 n. Chr. über den Rhein zurückdrängten. Der Alemanne Auwin als Sippenältester gab nun der Siedlung die sich im Tal des Rechtenbachs, dem späteren kleinen Kraichbach, festigte, den Namen Auwinesheim. Die Alemannen hatten kaum 120 Jahre Zeit um sich eine feste Heimat zu schaffen als nach der Schlacht von Zülpich um 496 die Franken gen Süden zogen und die Alemannen bis zur heutigen Sprachgrenze, südfränkisch u. alemannisch, auf die Höhe von Baden-Baden und Hagenau im Elsaß zurückdrängten. Die Römer jedoch hatten guten Grund das wasserreiche Tal und den steilen Südhang des Hohbergs nutzbar zu machen.

Näheres über die Römerzeit habe ich auf der Seite “Die Römer“ beschrieben.                    

A.O. 2014

  

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