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Oberöwisheim

 ein Dorf im Kraichgau

Thora

Der Judenfriedhof

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Schon lange suchte der Verband der Juden im Kraichgau nach einem geeigneten Begräbnisplatz für ihre Verstorbenen, denn seit langer Zeit schon mussten sie alle Verstorbenen bis 1432  auf dem Verbandsfriedhof in Speyer, dann später bis auf dem Verbandsfriedhof in Worms beerdigen. Da die Verstorbenen nach jüdischem Ritus innerhalb 24 Stunden bestattet werden mussten, war es den Juden aus dem Kraichgau kaum möglich, diese rituelle Frist einzuhalten, denn die Entfernung nach Speyer oder Worms  war zu dieser Zeit enorm weit und über den Rhein gab es zu dieser Zeit keine Brücken. Auf der Gemarkung von Oberöwisheim fand man einen geeigneten Platz an einem steilen steinigen Westhang der sich kaum zur wirtschaftlichen Nutzung eignete. Dieses unwirtliche Gelände wurde den Juden von den Dorfherren, von Helmstatt und Sternenfels, zur Pacht angeboten. Der Jüdische Verband willigte ein und ab 1629 wurden dann auf dem neuen Verbandsfriedhof alle verstorbenen Juden des Verbandes in Oberöwisheim bestattet. Somit ist der Judenfriedhof in Oberöwisheim der älteste Verbandsfriedhof im Kraichgau. Aber es war an der Obrigkeit nicht nur den Pachtzins zu zahlen, über dessen Höhe nichts bekannt ist, sondern es fielen für jedes Begräbnis zusätzliche Kosten an. So kostete die Bestattung eines Erwachsenen 1 Gulden und für ein Kind einen 1/2 Gulden. Die Kosten für ihre Verstorbenen waren noch nicht genug, so verlangten fast alle Obrigkeiten der Dörfer oder Städten, die man mit den Toten passierte um sie zum Friedhof zu bringen, ein Passiergeld. So kostete eine Passage durch Odenheim 1 Gulden 30 Kreuzer (= 96.- € ), eine horrend hohe Summe an Bestattungskosten kam so zusammen. So musste eine jüdische Familie die ihren Verstorbenen z. Bsp. von Obergrombach über Bruchsal,Unteröwisheim nach Oberöwisheim brachte nach heutigem Wert 205 € aufbringen um ihren Angehörigen bestatten zu können. Diese hohen Kosten waren den Angehörigen auf die Dauer einfach zuviel, deshalb entstanden auch schon 1632 in Obergrombach, 1661 in Wiesloch, 1688 in Flehingen und in Waibstadt 1690 Verbandsfriedhöfe. So kam es schließlich, dass auf dem ältesten Verbandsfriedhof im Kraichgau nur noch 3 jüdische Gemeinden ihrem Begräbnisplatz treu blieben nähmlich Münzesheim, Menzingen und Odenheim. Den Juden im Kraichgau war es bis 1803 nur erlaubt, ihre Toten auf den o.g. Verbandsfriedhöfen zu bestatten. Erst nach der politischen Neuordnung Südwestdeutschlands im Zuge der Säkularisierung war es den jüdischen Gemeinden im Kraichgau möglich, weitere Friedhöfe in Wohnortnähe zu errichten. Die letzte Bestattung auf dem Oberöwisheimer Judenfriedhof  fand 1938 statt. Das Areal des Verbandsfriedhofes in Oberöwisheim hat eine Größe von 92 ar. Der Friedhof besteht aus einem alten und einem neuen Teil, insgesamt sind 270 Grabstätten nachweisbar.  Sonderbar ist jedoch, dass es in Oberöwisheim zu keiner Zeit eine jüdische Gemeinde gab.                                   

                                    

Jüdisches Leben im Kraichgau

Der Kraichgau – Eine Landschaft mit vielen jüdischen Spuren –

Der Kraichgau, eine reizvolle Landschaft zwischen Rhein und Neckar sowie Odenwald und Schwarzwald erfreut sich seit einigen Jahren immer größerer Beliebtheit bei Besuchern. Umgeben von den Großstädten Heidelberg, Heilbronn, Pforzheim und Karlsruhe bietet sich diese Landschaft geradezu ideal als touristisches Naherholungsgebiet an. Inmitten seiner „tausend Hügel“ findet der Besucher Streuobstwiesen, Weinberge und kleine Waldungen, aber auch immer wieder Burgen, Schlösser und Gemeinden mit mittelalterlichen Ortskernen, wie z.B. Bretten, Eppingen, Gochsheim oder Hilsbach.

Viele Besucher wissen allerdings noch nicht, dass sich hier im 18. und 19. Jahrhundert die meisten jüdischen Gemeinden Badens befanden.

Die jüdische Bevölkerung fand nach dem 30-jährigen Krieg besonders in den reichsunmittelbaren Herrschaften, wie z.B. den von Gemmingen und von Venningen, Schutz und neue wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeiten. Sie waren oftmals als Viehhändler tätig, wirkten aber auch als Landproduktehändler und fungierten so als wichtige Versorger der landwirtschaftlich geprägten Region. In ihren Wohnorten wurde ihnen erlaubt, ihre Gottesdienste in eigenen Räumlichkeiten zu feiern, und so entstanden innerhalb weniger Jahrzehnte viele Synagogen und jüdische Schulen in den Städten und Dörfern des Kraichgaus. Allerdings war es ihnen bis ins Jahr 1803 nur erlaubt, ihre Toten auf den fünf größeren Friedhöfen Heinsheim, Obergrombach, Oberöwisheim, Waibstadt und Wiesloch zu bestatten. Erst nach der politischen Neuordnung Südwestdeutschlands im Zuge der Säkularisierung war es den jüdischen Gemeinden im Kraichgau möglich, weitere Friedhöfe in Wohnortnähe zu errichten. In Gemeinden wie Berwangen, Eichtersheim, Hoffenheim, Michelfeld und Neidenstein betrug der jüdische Bevölkerungsanteil in den 1840er Jahren über 15%.

Nach den politischen Wirren der 1848/49er Revolution wanderten in den Folgejahren viele Juden des Kraichgaus nach Übersee aus. Mit der Einführung des Gesetzes über die bürgerliche Gleichstellung von Juden in Baden im Oktober 1862 verstärkte sich die Abwanderung, nun vor allem in die großen badischen Städte Heidelberg, Karlsruhe, Mannheim und Pforzheim. Das jüdische Gemeindeleben im Kraichgau konzentrierte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts größtenteils auf Bruchsal und die kleineren badischen Amtsstädte Bretten, Eppingen und Sinsheim. Noch kurz nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten lebten zwischen 1700 und 2000 Juden im Kraichgau. Ab dem Jahre 1933 verließ der Großteil der jüdischen Einwohner die Region und suchte Schutz im Ausland oder in der Anonymität der Großstädte. Die verbliebenen Juden wurden am 22. Oktober 1940 zusammen mit den anderen badischen und pfälzischen Juden ins südfranzösische Gurs deportiert. Nur wenige der Deportierten überlebten die Schreckenszeit des Nationalsozialismus.

Wer heute durch den Kraichgau reist, findet keine jüdische Gemeinde mehr. Die Spuren des einstmals so vielfältigen und vitalen Lebens der Kraichgauer Landjuden sind jedoch noch immer anzutreffen. Dieses Erbe und die Geschichte seiner jüdischen Bewohner gilt es zu bewahren und in Erinnerung zu behalten.

 A.O. 2013

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